Die Benediktinerabtei auf der Halbinsel Tihany besteht bereits seit über 900 Jahren. Die Kirche wendet sich wie alle alten Kirchen in die Richtung de r aufgehenden Sonne. Im Laufe der Jahrhunderte wurden ihr mehrmals Vernichtung und Wiederauferstehung zuteil. Die Kirche ist die ehrwürdige Grab- und Gedenkstätte ihres Stifters, des ungarischen Königs Andreas I. Die Unterkirche - die königliche Krypta - ist eine der wertvollsten mittelalterlichen Bauten des heutigen Ungarns. Die barocke Unterkirche mit ihren reichen Verzierungen ist Zeuge jenes Zeitalters, das nach der Vernichtung von Wiederauferstehung spricht." (Gedanken des Priors von Tihany, von Dr. Richárd Korzenszky O.S.B.)
Zur Zeit der ersten Siedlungen war die kleine, Halbinsel, die bei Aszófô in den Balaton hineinragt, noch eine Insel. Auch heute verbindet sie nur ein flacher, sumpfiger Übergang mit der Nordseite des Balatons. Die von mediterranen Elementen gezeichnete Pflanzenwelt der Halbinsel wird auch durch einige erhaltenene Urarten angereichert. Noch vor ein paar Jahrzehnten war die sog. "Ziegenklaue", die fossilen Steinreste der im früheren pannonischen Meer heimischen Muschel Congeria ungula caprae, eine erdgeschichtliche und touristische Besonderheit. Auch das berühmte Echo, der "Widerhall von Tihany", ist seit der Bebauung der Halbinsel nur noch eine Legende. An den steilen Hängen der Altburg befinden sich die Reste früherer Niederlassungen, künstlicher Höhlen, der sog. Mönchsquartiere (später Unterkünfte für Eremiten). Die Ruinen des Wachturms erinnern an die Römerherrschaft. Im Jahre 1055 ließ der ungarische König Andreas I. die von ihm zu Ehren der Jungfrau Maria und des Bischofs Heiliger Anianus gestiftete Abtei am höchsten Punkt der Halbinsel durch den Benediktinerorden errichten. Die Stiftung besiegelte der König mit einer Urkunde auf Pergament (Stiftungsurkunde der Abtei Tihany) in welcher er die Abtei mit "materiellen und immateriellen Gütern und jeglichem Dienstvolk" versieht. Die Stiftungsurkunde ist das älteste, authentische Sprachdenkmal der ungarischen Sprache, das in seinem Original überliefert wurde. In dem lateinischen Urkundentext sind 58 ungarische Wörter im Text verstreut, und auch zusammenhängend in fast einem ganzen Satz zu finden. Die vielleicht bekannteste Zeile dieser Urkunde lautet wie folgt: 'feheruuaru rea meneh hodu utu rea', zum heutigen Ungarisch: 'Fehérvárra men? hadútra" und zu Deutsch etwa: "auf die nach Fehérvár (Weißenburg)führende Heeresstraße".
Die romanische Unterkirche, in der sich auch die Grabstätte des Königs Andreas I. befindet, stammt aus der Stifterzeit. Das Klostergebäude der Abtei wurde nach der Zerstörung durch die Tatarenstreifzüge befestigt und nach der Schlacht bei Mohács wurde es zu einer größeren Grenzfestung umgebaut. Ihre Renovierung wurde von mehreren Landesversammlungen angeordnet. Später befand sich die Burg dann schon in der Nähe der Abteikirche und des Klosters und schloss auch diese mit ein.
Nach der Schlacht bei Mohács zerstreuten sich die hier lebenden Mönche in alle Himmelsrichtungen und ihre Güter verblieben der Burg. 1684 wurde das Kloster selbst zu einem Bestandteil der Burg umgebaut. Der Wiener Kriegsrat hat das Bauwerk jedoch aus Furcht vor dem Freiheitskampf zerstören lassen und zu dieser Zeit gelangte es dann auch durch den Altenburger Abt Rajmund Regondy zurück in das Eigentum des Ordens.
Unter Verwendung der Burgsteine begann Abt Grasso im Jahre 1719 mit dem Bau der Kirche. Der Bau, der damals auch von einer Feuersbrunst unterbrochen wurde, wurde von Abt Ágoston Lécs geleitet. Im Jahre 1778 wurde die auch heute noch bestehende Barockkirche eingeweiht. Ihr schließt sich das einstige Klostergebäude an, das sich nach dem Systemwandel heute erneut im Eigentum des Benediktinerordens befindet. Der wunderschöne Hauptaltar entstand 1759 und die Nebenaltäre einige Jahre später. Die Deckengemälde der Sakristei wurden 1786 von Ambrus Dornetti gemalt. Das Hauptaltarbild ist die Arbeit von János Novák aus dem Jahre 1822.
Nach der Niederschlagung des zweiten Royalistenputsches im Oktober 1921 wurden der letzte ungarische König, Karl IV. (1887-1922), und seine Frau, Königin Zita, zeitweilig in der Abtei untergebracht, bis sie auf die Insel Madeira verbannt wurden.
Ein besonders interessantes Stück der Kirche ist die Orgel. Sie wurde in den ursprünglich von Sebestyén Stuhlhoff geplanten Orgelschrank von dem Salzburger Meister Silbermann angefertigt. 1945 wurde die Orgel durch den Einschlag einer Granate zerstört und nach dem Krieg von der Wiener Firma Angster restauriert. Die jüngste Restaurierung erfolgte 1993; in den ursprünglichen Orgelschrank wurde eine gepanzerte Orgel mit zwei Manualen und 24 Registern eingebaut. An lauen Sommerabenden lockt ihr wunderbarer Klang ein zahlreiches Publikum zu den Kirchenkonzerten, genauso wie die anderen historischen Gedenkstätten und das ist ein lebender Beweis für das wachsende Interesse an der Halbinsel Tihany.
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