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Sehenswürdigkeiten

Keszthely
Festetics - Schloss
Das Schloss der die Wirtschaft voranbringenden, Wissenschaft, Literatur, Kunst und Bildung fördernden Familie Festetics, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts in Keszthely niederließ, war immer das kulturelle Zentrum der Region und zeitweise des ganzen Landes. Das bis Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Schloss mit dem dazu geschaffenen Park wurde zu einem der bedeutendsten architektonischen und gartenbaulichen Ensembles Ost-Mitteleuropas. Die erste urkundliche Erwähnung Keszthelys datiert auf das Jahr 1247. 1386 wurde das Franziskaner-Kloster mit der bis heute erhaltenen gotischen Kirche fertiggestellt. Bereits 1421 wird Keszthely in einer Urkunde als Stadt bezeichnet. 1739 "bemächtigte" sich die Familie Festetics Keszthelys und richtete hier die Direktion ihres riesigen Besitzes ein. Erst stiftete Kristóf Festetics der Stadt ein Krankenhaus, später Pál Festetics ein Gymnasium. 1797 öffnete das Georgikon von Graf György Festetics seine Pforten, die erste landwirtschaftliche Hochschule auf dem Kontinent und Rechtsvorgänger der heutigen Universität für Agrarwissenschaften.

Der Bau des Schlosses begann bald nach der Inbesitznahme Keszthelys. Der Bau ist mit dem Namen Kristóf Festetics verbunden, der die Arbeiten 1745 am Ort der Ruine des Vorbesitzers aufnahm. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Umbaupläne, so 1755 der von Kristóf Hofstadter für den Mittelteil des Schlosses. In der Mitte der Fassade war eine auf beiden Seiten offene Einfahrt mit Gewölbe. Auf der linken Seite öffnet sich ein Treppenhaus, auf der nördlichen Hofseite eine kleine Wendeltreppe. Das Gebäude wurde mit einem barocken Mansardendach errichtet. Kristóf Hofstadter, erster Baumeister der Herrschaft war ein ausgezeichneter Fachmann. Das Archiv umfasst viele Pläne für Kirchen und Altäre und Zeichnungen für Zierrat und Springbrunnen. Einige wurden verwirklicht, ihr größerer Teil aber blieb Fiktion. Die Bauarbeiten verlängerten die Flügel auf ihre heutige Länge, an deren Enden zwei Teile im rechten Winkel angebaut wurden. Der nächste bedeutende Umbau wurde von György Festetics 1792 begonnen. Später berief er den Architekten András Fischer, Professor der Akademie in Wien als Berater nach Keszthely, um den Bau nach seinen Vorschlägen abzuschließen. György Festetics beschäftigte auch heimische Handwerker: Der Steinmetz József Zitterbart verlegte die Steinplatten der Bibliothek, haute Fenster- und Türrahmen aus Stein und fertigte Gesimse und Brunnen. Der ausgezeichnete Meister schuf auch figurative Statuen.

Die Schlosserarbeiten führte ebenfalls ein Meister des Ortes, József Dobrolán, aus, sämtliche Kachelöfen wurden von József Pittermann gesetzt und die "Paradezimmer" bekamen besondere, verzierte Öfen. Ein Großteil des alten Parketts des Schlosses ist auch heute noch vorhanden, es wurde vom Tischler János Kerbl verlegt, der auch die Bibliothekseinrichtung schuf. Die hellbraune Eichenholztäfelung des Konzertsaales ist mit einem breiten, barocken Sims verziert, dessen Muster wie das des Mittelteils aus Ahorn- Mahagoni und Ebereschenholz besteht. Die Decken und einige Wandflächen sind mit Stuck verziert, die den Aufzeichnungen nach vom Stukkateur Mátyás Vathner aus Papa angefertigt wurden. Das Schloss gehörte zu den schönsten Bauwerken seiner Zeit und konnte Gäste höchsten Ranges beherrbergen. Wichtigste Änderungen folgten nach 1883 unter Tasziló Festetics (II.). Der aus Bratislava stammende, in Wien lebende Architekt Viktor Rumpelmayer, der 1885 verstarb, fertigte die Umbaupläne an. Seine Arbeit führten Gusztáv Haas und Miksa Paschkisch zu Ende. Ein neues Gebäude mit Flügeln wurde errichtet, das durch ein Mittelteil mit Turm mit dem alten Gebäude verbunden wurde. Der umlaufende Dachsims mit Vasenverzierung lässt die beiden Teile des Gebäudes einheitlich erscheinen. Das Gebäude erhielt damals seine heutige Gestalt. Der Balkon, der auf vier Säulen vor dem Eingang ruht, bekam ein schmiedeeisernes Geländer im Barockstil, darüber wurde das Festetics-Wappen angebracht.

Die neuen barocken Tore fertigte der Kunstschmied Lajos Marton aus Bratislava. Der Springbrunnen ist das Werk von Antal Hercz, Baumeister aus Keszthely, die Vasen in den Ecken stammen vom Steinmetz Máté Polacsek, ebenfalls aus Keszthely. Größter und zugleich wertvollster Saal des Schlosses ist der Bibliothekssaal mit seiner Originaleinrichtung, den Kristóf Festetics etwa 1763 einrichten ließ. Hier war nicht nur das Zusammentragen der Werke entscheidend, sondern auch die Maßnahmen zum Schutz der Sammlung: die Sammlung wurde als Majoratsgut geführt und konnte daher nicht verkauft werden. So blieb diese wertvolle Bibliothek bis heute erhalten. Die Schnittsammlung, die bis heute nicht vollständig aufgearbeitet ist, wurde von Pál Festetics gegründet. Die Bibliothek wurde niemals als Privatsammlung der Familie behandelt, sondern von der Familie in den Dienst der ungarischen Bildung gestellt. György Festetics ermöglichte den Professoren und Studenten des Georgikons ihre Nutzung.

Heute verfügt die Sammlung über mehr als 90000 Bände, 119 Handschriften und vier Urdrucke. Neben der Bibliothek wurden vier weitere Räume mit Antiquitäten eingerichtet. Im ehemaligen Speisesaal werden Konzerte von nationalem Ruf veranstaltet, der dorthin führende Flur ist mit den schönsten Zierwaffen des Nationalmuseums dekoriert. In einem anderen Ausstellungssaal wird die Trophäensammlung von Windischgrätz ausgestellt und der Park steht wegen seiner Pflanzenvielfalt unter Naturschutz. Das erstmals 1817 veranstaltete Helikonfest wurde zu einer bis heute andauernden Tradition, mit der alljährlich die Sommersaison in Keszthely beginnt, hervorzuheben sind die klassischen Konzerte und Meisterkurse im Schloss.

(Auf Grundlage des Buches "Festetics-Kastély, Keszthely" von Dr. László Czoma)

 

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